Bauvorhaben

Erst 1995 bekam das Bauhaus innerhalb der reichen Erinnerungslandschaft Weimars seinen ständigen Platz: In der ehemaligen Kunsthalle am Theaterplatz wurde ein provisorisches Bauhaus-Museum eingerichtet, das bis heute nur einen kleinen Ausschnitt der reichen Weimarer Bauhaus-Sammlung präsentiert. Das Haus bietet weder Raum für die zeitgemäße Präsentation der zahlreichen Bauhaus-Objekte, noch genügt es den heutigen museologischen und restauratorischen Anforderungen.

Im Jahr 2008 haben der Bund und das Land Thüringen die Klassik Stiftung Weimar mit dem Bau eines neuen Bauhaus-Museums beauftragt. Nach einem internationalen Architekturwettbewerb hat der Bau im November 2015 begonnen. Zum Bauhaus-Jahr 2019 wird das bauhaus museum weimar eröffnen.

Funktion: Ausstellungsflächen und Räume für die Vermittlungsarbeit, Besucherservice, Shop, Lounge und Café
Ausstellungsfläche: 2.250 m²
Gesamtkosten: 22,6 Mio. Euro
Bauzeitraum: 2015 bis Ende 2018

Architektur

Im internationalen Architekturwettbewerb für das bauhaus museum weimar hat sich 2012 der Museumsentwurf von Prof. Heike Hanada, Berlin, in Kooperation mit Prof. Benedict Tonon, Berlin, unter mehr als 500 Wettbewerbsteilnehmern durchgesetzt.

Die geometrisch klare Architektur – ein minimalistischer Glaskubus über einem Betonsockel – sieht fünf Ebenen vor, die in zweigeschossigen offenen Räumen ineinander übergehen. Besucher erreichen den künftigen Museumsrundgang von der Stadtseite her über ein großzügiges Foyer – oder aber vom angrenzenden Weimarhallenpark aus über eine große Terrasse im Untergeschoss.

Außenansicht, Entwurf von Prof. Heike Hanada mit Prof. Benedict Tonon, Stand 2012

Außenansicht, Entwurf von Prof. Heike Hanada mit Prof. Benedict Tonon, Stand 2012

Schmale, opak satinierte Glasstreifen prägen die Fassade des Baus. Sie schweben frei ohne Rahmung und bilden einen regelmäßigen horizontalen Rhythmus, den lineare Raster aus feinen schwarzen Linien überlagern und unregelmäßig brechen. Umlaufende Lichtbänder ermöglichen die nächtliche Beleuchtung der Fassade.

Die Eingangshalle ist der Ausgangspunkt für alle entscheidenden Wege im Inneren des Museums. Der Besucher orientiert sich mit Hilfe der Kaskadentreppen in einem geschickt gesetzten Koordinatensystem. Durch horizontale und diagonale Blickbeziehungen in die angrenzenden Lufträume wird er auf die einzelnen Funktionsbereiche aufmerksam. Der Fußboden und die Wände, die die Halle umgeben, entsprechen in Materialität und Haptik dem äußeren steinernen Betonsockel des Museums.

Perspektive Foyer, Entwurf von Prof. Heike Hanada mit Prof. Benedict Tonon

Perspektive Foyer, Entwurf von Prof. Heike Hanada mit Prof. Benedict Tonon

Standort – Ein Quartier der Moderne für Weimar

Das bauhaus museum weimar entsteht am Rand des Weimarhallenparks direkt gegenüber dem ehemaligen »Weimarer Gauforum«. Die städtebaulich und historisch sensible Lage des Neubaus bietet die einzigartige Möglichkeit, das Quartier zwischen Goetheplatz, Nordvorstadt und Bahnhofsviertel attraktiv zu entwickeln und ihm eine kulturelle Perspektive zu geben.

Modell des bauhaus museums weimar, Foto: Candy Welz

Modell des bauhaus museums weimar, Foto: Candy Welz

Modell des bauhaus museums weimar, Foto: Heike Hanada

Modell des bauhaus museums weimar, Foto: Heike Hanada

Modell des bauhaus museums weimar, Foto: Candy Welz

Modell des bauhaus museums weimar, Foto: Candy Welz

Drei Zeitschichten der Moderne in Weimar treffen am Standort des neuen Museums auf historisch einmalige Weise in einer Art Brennpunkt aufeinander: die Grün-, Kultur- und Sportachse westlich des Neubaus als »Kultur-Projekt« der Weimarer Republik, das nationalsozialistische Staatsprojekt »Gauforum«, das zugleich das logistische Zentrum der europäischen Zwangsarbeit war, und die unübersehbare Antwort aus der DDR-Zeit auf dieses Gebiet, der »Langen Jakob«.

Mit dem bauhaus museum weimar entsteht perspektivisch ein lebendiges Kulturquartier, das den Bogen vom ausgehenden 19. Jahrhundert über die ambivalente Historie der Moderne bis zur Gegenwart spannt. Es wird zudem einer der wichtigsten Knotenpunkte in der »Topographie der Moderne« sein – ein Netzwerk, das historische Stätten und Erinnerungsorte der Moderne in ganz Weimar miteinander verbindet.

Wettbewerb

Zur Errichtung des bauhaus museums weimar führten die Klassik Stiftung und die Stadt Weimar 2011 einen weltweit offenen Architekturwettbewerb durch. Insgesamt 536 Architekturbüros reichten ihre Beiträge ein.

Dem international besetzten Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Jörg Friedrich (Hamburg) gehörten siebzehn Preisrichter an, denen zwölf sachverständige Berater zur Seite standen. Die Wettbewerbsbetreuung erfolgte durch Schubert/Horst Architekten, Dresden.

Am 15. März 2012 vergab das Preisgericht jeweils einen zweiten Preis an Johann Bierkandt (Landau) und die Architekten HKR (Klaus Krauss und Rolf Kursawe, Köln). Die beiden dritten Preise gingen an Prof. Heike Hanada mit Prof. Benedict Tonon (Berlin) und Bube/Daniela Bergmann (Rotterdam).

Drei Anerkennungen vergab das Preisgericht für die Entwürfe von Karl Hufnagel Architekten (Berlin), hks Hestermann Rommel Architekten und Gesamtplaner GmbH (Erfurt) und menomenopiu architectures/Alessandro Balducci (Rom).

Im anschließenden VOF-Verfahren setze sich der Entwurf der Berliner Architektin Prof. Heike Hanada mit Prof. Benedict Tonon durch.